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Denkmäler und Sehenswürdigkeiten von Prachatice

Große Hauptplatz

Dann setzt man langsam weiter zum Großen Hauptplatz fort. Auf der rechten Seite erscheint bald das Sitr-Haus (Nr. 13). Es steht an der Stelle eines ursprünglich gotischen Hauses, das seine Renaissancegestalt im Jahre 1604 erhielt. Wenn man sich seinen reich profilierten Giebel ansieht, kann man ein Lünetten-Gesims mit Portraits der böhmischen Könige finden. Seit dem Jahre 1954 ist das Sitr-Haus Sitz des Museums in Prachatice.

Nach ein paar Schritten geht man am sog. Nationalhaus (Nr. 10) vorbei. An seiner Mauer gibt es eine Gedenktafel zur Erinne-rung an den berühmten Violinpädagogen Otakar Ševčík (1852–1934). Dieser führte in Prachatice in den Jahren 1903 bis 1906 in der Kandl-Mühle Sommerkurse für seine ausländischen Schüler.

Am Ende des Gebäudekomplexes auf der rechten Seite des Hauptplatzes steht das eckige Fürstenhaus (Nr. 169) mit reich verzierter Fassade. Seine Sgraffiti sind interessant unter anderem wegen der in deutscher Sprache verfassten Inschriften – sonst kann man an den Häusern in der Stadt nur tschechische bzw. lateinische Inschriften finden. Das Haus wurde im Jahre 1572 errichtet und in den Jahren 1625–1627 aufwendig umgebaut. Später wurde es zum Sitz der Verwaltung des Schwarzenberg´schen Herrschaftsgutes. Dies beweist auch das Wappen dieses bedeutenden Geschlechtes oberhalb des Eintrittsportals.

Stadt Prachatice - Auf der westlichen Seite des Hauptplatzes dominiert das Gebäude des Neuen Rathauses, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o. Nicht weit von dem Fürstenhaus, auf der oberen Seite des Hauptplatzes, steht das Gebäude des Neuen Rathauses, (Nr. 2–3). Das Gebäude mit einem eckigen Prismenturm, der 1903 im Stil der deutschen Neurenaissance erbaut wurde, ist die Dominante des Großen Hauptplatzes. Nach dem Projekt des Wiener Architekten Prof. Anton Schurda wurde es vom hiesigen Baumeister Rudolf Zobel errichtet. Die Verzierung besorgten zwei Wiener Künstler: Die Sgraffiti schuf der akademische Maler Jan Viertelberger, während die Statuen ein Werk des akademischen Bildhauers Jiří Leiska sind. In der Nische inmitten des Giebels des Rathauses kann man die Statue einer Frau in Lebensgröße sehen, das sich mit ihrem linken Arm auf ein Schwert stützt. Es handelt sich um Prachaticia, die Patronin und Beschützerin der Stadt. Innerhalb des Neuen Rathauses befindet sich der wirkungsvolle Ausstellungsraum „Atrium Wintergarten“. Der Raum ist dank der Überdachung des Innenhofes des Rathauses durch eine helle Glaskonstruktion entstanden.

Im Gebäude, das an das Neue Rathaus anknüpft, hat seit 1883 das Städtische Theater (Nr. 2) seinen Sitz. Von hier aus gibt es eine der schönsten Aussichten auf den Stadtkern mit der Dominante des Kirchturms von St. Jakob. In den Jahren 2009–2010 wurde das Theater nach einem Projekt des Architekten L. Velíšek umgebaut.

Stadt Prachatice - Altes Rathaus (Haus Nr. 1), Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o. Die Hausnummer 1 trägt mit Recht das wertvollste Gebäude im Zentrum von Prachatice, nämlich das Alte Rathaus. Es wurde in den Jahren 1570–1571 an der Stelle eines gotischen Objektes errichtet, das wohl ebenfalls schon zum Zwecke der Stadtverwaltung diente. Das neue Gebäude wurde als ein zweistöckiges Renaissance-Palais mit zwei Seitenflügeln im Hof erbaut. Es gehört zu den größten derartigen Bauten im Land. Wegen seiner reichen Verzierung, die die Blüte und den Reichtum von Prachatice im „goldenen“ 16. Jh. symbolisiert, zählt es zu den bedeutendsten Renaissanceobjekten in Tschechien. Sehenswert ist vor allem die malerische Verzierung der Stirnwand, die mit „chiaroscuro“-Technik geschaffen wurde und deren Autor wahrscheinlich der Maler Jan Březnický ist. Zahlreiche allegorische Malereien, Szenen sowie lateinische Inschriften sind vorwiegend der Gerichtsbarkeit gewidmet. Sie sollten (und sollen weiterhin) die Ratsherren der Stadt dazu ermahnen, ihre Ämter weise, ehrlich und gerecht zu verwalten. Ebensowenig fehlt eine wirkungsvolle Warnung gegen korrupte Richter. Für Besucher der Stadt ist auch wichtig zu wissen, dass sie im Rathausgebäude das Infozentrum finden können. Aus dem Erdgeschoss des Alten Rathauses kann man in den Hof „unter den Arkaden“ gehen. Dort kann man sich auf Wunsch die Repräsentationsräume des Rathaussaales sowie die Renaissancekeller ansehen.

Wenn man auf die untere Seite des Hauptplatzes geht, gelangt man zum Bozkovský-Haus (Nr. 184). Dieses bürgerliche Renaissancehaus ist durch seinen kurzen Flügel auffällig, der aus dem Grundriss des Objektes in den Hauptplatz hervorragt und mit einer Laube versehen ist. Der hervorragende Teil des Hauses ist über seine ganze Fläche mit einer interessanten Malerei geschmückt, die Bauelemente des Mauerwerks imitiert. Die teilweise erhaltene Inschrift an der Fassade besagt, dass das Haus im Jahre 1573 im Renaissancestil erneuert wurde. Die nächste interessante Inschrift verbirgt sich im Laubengang des Hauses, wo sich der Maler einst mit folgender Mitteilung beschwerte: „Es ist ausgemalt, doch noch nicht bezahlt.“ Im zweiten Geschoss des dreistöckigen Objektes hat seit dem Jahre 2001 die Galerie von Otto Herbert Hajek ihren Sitz.

Auf dem Weg zur unteren Seite des Hauptplatzes kann man sich den Steinbrunnen von Ondřej Vlach aus dem Jahre 1583 mit der Statue der Gerechtigkeit ansehen. Die Statue wurde zwar im Jahre 1903 durch eine Büste Kaiser Josephs II. ersetzt, doch 22 Jahre später kehrte sie an ihren alten Platz zurück. Heute befindet sich hier eine Kopie aus dem Jahre 2006, das Original kann man im Eintritts-raum des Alten Rathauses besichtigen.

Vom Brunnen aus setzt man zu einem einstöckigen Haus mit Laube fort, das Rumpál-Haus (Nr. 41) genannt wird. Es ist spätgotischen Ursprungs ebenso wie die sonstigen Bürgerhäuser auf dem Hauptplatz. Das neue Aussehen erhielt es nach einem Renaissance-Umbau im dritten Viertel des 16. Jh. Im Jahre 1671 wurde hier die Stadtbrauerei errichtet. Faszinierend ist die Verzierung seiner Fassade, die mit der komplizierten Technologie des kolorierten Sgraffitos durchgeführt wurde. Der Künstler schuf hier eine ganze Reihe antiker Motive sowie mythologischer Tierfiguren. An den Säulen zwischen den Fenstern befinden sich die Figuren eines Pfeifers, eines Trommlers, eines Soldaten usw.

Durch den Laubengang gelangt man zum einstöckigen Haus Zum heiligen Christoph Nr. 36, das auf einer schmalen Parzelle ungefähr in der Mitte des 16. Jh. erbaut wurde. Das erste Stockwerk des Hauses, das auf flache Kragträger gesetzt ist, ist mit einem Sgraffito geschmückt, das erst im Jahre 1995 entdeckt wurde. In der Verzierung dominiert die Figur des heiligen Christoph, des Patrons der Pilger, unter der das Wappen der Rosenberger abgebildet ist.