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Die Geschichte der Stadt - Die Periode des Niedergangs

Kaiser Rudolf II., der die Stadt von Peter Wok von Rosenberg gekauft hatte, erhob Prachatice im Jahre 1609 zur Königsstadt. Doch die folgenden Jahre brachten der Stadt Prachatice nach und nach nur Unglücksfälle. Zuerst ging es um den nicht erfolgreichen Ständeaufstand, in dem Prachatice gegen den Kaiser stand. Noch vor der Schlacht am Weißen Berg wurde die Stadt während des sog. Böhmischen Krieges am 27. September 1620 von den Heeren Karl Buquoys erobert. Die Eroberer töteten damals angeblich an die 1.800 Bewohner von Prachatitz. Das Zerstörungswerk krönten der darauffolgende Dreißigjährige Krieg, die Plünderung der Stadt durch die schwedischen Truppen im Jahre 1641 und die Pestepidemie nur sechs Jahre später.

In diesen Zeiten allgemeinen Verfalls konnte der Salzsteig wegen zahlloser Räuberhorden nicht ausreichend gesichert werden. Er wurde daher immer weniger genutzt, nicht instand gehalten und dadurch immer schwerer durchgängig. Noch dazu begann man nun, das Salz ausschließlich aus Österreich nach Böhmen einzuführen, wofür sich die herrschenden Habsburger in besonderem Maße einsetzten. Man reagierte darauf in Passau, am anderen Ende des Goldenen Steiges, mit einer Gegenmaß-nahme – und hörte auf, Produkte aus Böhmen anzukaufen. Das Geschäftsleben auf dem Salzsteig kam somit praktisch zum Stillstand, der Verkehrsweg verlor an Bedeutung, bis er zu Beginn des 18. Jahrhunderts gänzlich aufgegeben wurde. Seit dieser Zeit begann Prachatice sowie die ganze Region rasch an Bedeutung zu verlieren und zunehmend zu verarmen.

Seit 1621 herrschte in Prachatice das Geschlecht der Eggenberger, das seinen Sitz in Český Krumlov hatte und zum sog. Adel „der Zeit nach dem Weißen Berg“ gehörte. Das Geschlecht starb im Jahre 1719 aus und Prachatice fiel neuen Eigentümern, den Schwarzenbergern, zu, in deren Besitz es bis zum Jahre 1848 blieb.

1832 wurde Prachatice von einer weiteren Katastrophe getroffen – am 13. April brach ein verheerender Brand aus, bei dem acht Stadtbewohner starben, an die 137 Häuser vernichtet wurden und auch die St.-Jakobs-Kirche beschädigt wurde. Die Flammen vernichteten auch die meisten typischen Giebel der Renaissance-Bürgerhäuser. Doch der historische Stadt- kern wurde zwar beschädigt, die Mehrzahl der Bauten, die Prachatice seinen mittelalterlichen Charakter verliehen, blieb glücklicherweise aber erhalten.

Ein positives Ereignis war der Ausbau der Eisenbahn, die im Jahre 1893 Prachatice mit Vodňany und später auch mit Volary (1899) verband. Die Verkehrsverbindung mit der „großen Welt“ konnte zwar die schlechte Wirtschaftslage nicht wirklich verbessern, trotzdem trieb sie etwas die Gründung von Unternehmen, vorwiegend im holzverarbeitenden Bereich, voran. Es erschienen aber auch weitere Industriebetriebe: Brauereien, ein Ziegelwerk, eine Essigfabrik und z.B. auch die Jungbauer´sche Fabrik mit ihrer Produktion von Maschinenelementen für elektrotechnische Anlagen. Dieser wenn auch nur geringfügige neue Wohlstand erweckte in der Stadt nach den Jahr-hunderten des Niedergangs erneut die Bautätigkeit ihrer Bewohner. Noch an der Wende vom 19. zum 20. Jh. entstanden einige sehenswerte Bauten der modernen Architektur, von denen ohne Zweifel das Neorenaissancegebäude des Neuen Rathauses aus dem Jahre 1903 am wichtigsten ist.