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Die Geschichte der Stadt - das goldene Zeitalter

Nach den Hussitenkriegen wurde Prachatice im Jahre 1436 für kurze Zeit zu einer königlichen Stadt. Doch sie wurde früh von Kaiser Sigismund an Jan Smil von Křemže verpfändet und infolgedessen wiederum unter die Untertanenstädte eingegliedert. Doch in Kürze änderte sich der Eigentümer der Stadt noch einmal. Ulrich II. von Rosenberg (1403 bis 1462) nahm Jan Smila wegen angeblicher räuberischer Aktivitäten gefangen und ließ ihn 1447 hinrichten. Dank vier offensichtlich gefälschten Verpfändungsurkunden erober-te er in der Folge die Stadt. Prachatice ist damals also zum ersten Mal in seiner Geschichte in die Hände des mächtigen Geschlechts der Rosenberger gefallen.

Bis zum Ende des 15. Jh. wechselten die Eigentümer der Stadt mehrmals. Es kam aber zur Neubelebung des Handels auf dem Goldenen Steig. Prachatice begann erneut aufzublühen und dies zeigte sich auch in den Bautätigkeiten. Es wurde eine weitere Reihe der Stadtmauern sowie der Komplex der Häuser auf dem Hauptplatz erbaut. Nach einer längeren Pause wurde der Aufbau der Kirche St. Jakob, der mehr als zweihundert Jahre dauerte, vollendet.

Anfang des 16. Jh. kam es zu zwei bedeutenden Ereignissen. Die Stadt ging zum zweiten Mal ins Eigentum der Rosenberger (1501) über und nicht lange danach wurde sie von einem großen Brand (1507) betroffen. Dies hieß auf einer Seite erneuten Niedergang, gleichzeitig aber verursachte diese Katastrophe auch neue rege Bautätigkeit der Einwohner. Die Stadt ist vor allem durch Renaissance-Bürgerhäuser geprägt. Die Bürger konnten es sich leisten, dank ihrem Reichtum, der aus dem rentablen Geschäft mit dem Salz stammte, prachtvolle Gebäude, meistens unter Teilnahme italienischer Baumeister, errichten zu lassen. Die Häuser waren durch reich verzierte Giebel gekennzeichnet. Ein weiteres typisches Merkmal der Verzierung der Renaissancehäuser (nicht nur der sich in Prachatice befindlichen) waren die mit Sgraffiti geschmückten Fassaden. Auf diesen befand sich meistens das Motiv des sog. Briefchens. In den Jahren 1570 bis 1571 wurde das Rathaus auf dem Hauptplatz errichtet, das wegen seines hohen architektonischen wie auch künstlerischen Werts zu den wertvollsten Renaissancebauten im Land gehört. Auch an dessen Durchführung beteiligten sich italienische Künstler und Baumeister. Gerade damals begann man den Salzsteig, der den Prachatitzern Reichtum und Ruhm gebracht hatte, mit Recht als „Goldenen Steig“ zu bezeichnen. Auf dem Weg wurden nicht nur Salz und andere Waren transportiert, sondern auf ihm kamen auch die Kolonisten, die die Grenzgebiete besiedelten. Diese brachten neue Bräuche, Erkenntnisse und kulturelle Errungenschaften mit. Neben dem Handel entwickelten sich auch die Handwerke. Es entstanden Weber-, Metzger-, Bäcker-, Schuster- und andere Zünfte. Die Position der Stadt Prachatice war damals so bedeutend, dass die Stadt es sich leisten konnte, im Jahre 1593 die Herrschaft Helfenburg nebst der gleichnamigen Burg anzukaufen.