Bedeckt
Mo 17.12.
-1/1°
Wolkig
Di 18.12.
-1/1°
Bedeckt
Mi 19.12.
-3/0°

Die Geschichte der Stadt - Frühzeit

Die archäologischen Funde beweisen, dass das Gebiet des heutigen Prachatice und dessen Umgebung bereits in der Urzeit besiedelt waren. Es ist möglich, dass Gruppen von Jägern und Sammlern bereits in der Zeit um 10.000 v. Chr. in diesem Gebiet waren. Sie kann man also als die ersten „Einwohner“ der Region betrachten. Weitere archäologische Forschungen bewiesen die Besiedlung in der jüngeren Bronzezeit (1200–750 v. Chr.) und in der älteren (700 bis 400 v. Chr.) sowie jüngeren Eisenzeit (von 400 v. Chr. bis zur Zeitenwende).

Die mittelalterliche Besiedlung und Entstehung von Prachatice ist eng mit dem Gebiet verbunden, auf dem sich das heutige Staré Prachatice (am nördlichen Rand der gegenwärtigen Stadt Prachatice) befindet. Dieser Ort hatte eine außergewöhnlich günstige Lage: er befand sich am Ende des Handelsweges, auf dem teure Stoffe, Gewürze, Südfrüchte und hauptsächlich Salz aus dem deutschen Passau nach Böhmen befördert wurden. Salz war im Mittelalter das einzige Konservierungsmittel für Lebensmittel.

Dieser Handelsweg, vom Anfang des 16. Jahrhunderts an wegen seiner ungeheuer großen wirtschaftlichen Bedeu-tung „Goldener Steig“ genannt, wurde mit größter Wahrscheinlichkeit bereits in der Urzeit genutzt, doch der erste schriftliche Beleg dafür stammt erst aus dem Jahre 1010. Er ist in der Urkunde „O cestě z Pasova do Čech“ („Über den Weg von Passau nach Böhmen“) des römischen Königs Heinrich II. erwähnt.

Eine wichtige Rolle spielte auch die Tatsache, dass das Gebiet der gegenwärtigen Ortschaft Staré Prachatice einschließlich dem Gebiet an der Grenze seit dem Ende des 11. Jh. unter die Verwaltung des Vyšehrader Kapitels gehörte. Diese bedeutende Kircheninstitution mit Sitz auf dem Prager Vyšehrad erhielt den Steig in ihre Verwaltung von König Vratislav I. im Jahre 1088, und zwar einschließlich dem Recht, von den reisenden Händlern (Säumern) eine Mautgebühr einzuheben. Eben dank diesen Zollgebühren, die zwischen dem Kapitel und der Stadt aufgeteilt wurden, wurde Prachatice im Verlauf der nächsten Jahrhunderte zu einer der reichsten böhmischen Städte.

Doch bald genügte die Lage von Staré Prachatice dem sich weiter entwickelnden Handel nicht mehr. Infolge dessen entschloss sich das Vyšehrader Kapitel, eine neue Marktsiedlung unterhalb des Berges Libín zu gründen. Hier wurde das Fundament der heutigen Stadt Prachatice, seinerzeit einer modernen mittelalterlichen Stadt, an der Wende vom 13. zum 14. Jh. gelegt. Die Bedeutung der ursprünglichen Marktsiedlung ist seit dieser Zeit sehr rasch zurückgegangen, was sich auch in der geänderten Bezeichnung zeigte – weiterhin wurde sie nur mehr unter dem heutigen Namen Staré Prachatice erwähnt.

Während des relativ ruhigen 14. Jahrhunderts entwickelte sich Prachati-ce dank dem Goldenen Steig sehr positiv. König Wenzel IV. erteilte der Stadt im Jahre 1382 das Salzstapelrecht. Dank dessen waren andere Städte gezwungen, ihr Salz ausschließlich von den Prachatitzern einzukaufen. Die Stadt wurde also immer reicher und hat sich aus baulicher Sicht weitgehend entwickelt. Es wurde eine mächtige Stadtbefestigung angelegt, mit dem Bau der Kirche St. Jakob begonnen sowie auch eine Schule errichtet usw. Mit dem Wohlstand entwickelte sich auch das Bildungswesen – Prachatice ist untrennbar mit dem Namen des Reformators Jan Hus, der wohl gerade hier seine Grundausbildung erworben hatte, sowie mit dem des Pädagogen und späteren Rektors der Karlsuniversität, Křišťan von Prachatice, verbunden.

Die Entwicklung von Prachatice wie auch mancher weiterer Städte in Böhmen wurde stark von den Hussitenkriegen zu Beginn des 15. Jh. beeinflusst. Während dieser Kriege kam es zu einem erheblichen Niedergang des Handels auf dem Goldenen Steig. Das Vyšehrader Kapitel verlor praktisch alle Macht über die Stadt. Zu Beginn der Hussitenstürme stand Prachatice gegen die Hussiten, doch nach wiederholter Eroberung der Stadt durch Žižkas Heere ist sie für einige Jahre zum Sitz der radikalen Hussiten geworden.