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Die Geschichte der Stadt - Das 20. Jahrhundert

Prachatice liegt in einer malerischen Landschaft und trotz dem neuen Aufbau blieb es eine „mittelalterliche“ Stadt. Diese Tatsache lockte auch die ersten Touristen, die zu Ende des 19. Jh. den Böhmerwald sowie die uralten „romantischen“ Städte der Region zu entdecken begannen. Dadurch entstanden einige Hotels, nahm die Zahl der Restaurants zu und das Klimabad St. Margareten trat immer mehr in den Vordergrund des Interesses. Während der Weltwirtschaftskrise spielte der Aufbau eines Speichers in den Jahren 1934–1939 am Fluss Blanice in der Nähe des nicht weit entfernten Husinec eine große Rolle bei der Schaffung von Arbeitsplätzen.

Das Leben in Prachatice am Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. war durch die zunehmenden Konflikte zwischen den Tschechen und den Deutschen über die Vergabe wichtiger Ämter beeinflusst. Die Stadt selbst wurde von einer deutschen Mehrheit beherrscht, denn das Verhältnis der böhmischen zur deutschen Bevölkerung betrug ungefähr 1:3. Ganz anders sah die Situation im Prachatitzer Bezirk aus, wo das Verhältnis zwischen den beiden Nationalitäten gerade umgekehrt war (die Deutschen bildeten hier etwa ein Drittel der Bevölkerung). Das Verhältnis zwischen der böhmischen und der deutschen Bevölkerung änderte sich erst nach dem Ersten Weltkrieg, bis es sich in den 30er Jahren des 20. Jh. beinahe ausglich. Doch in dieser Zeit begannen im Zusammenhang mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten im benachbarten Deutschland die Nationalitätenkonflikte erneut stark aufzuleben. Die negative Entwicklung kulminierte mit dem Münchner Abkommen, auf Grund dessen ein Teil der damaligen Tschechoslowakei an Nazi-Deutschland angeschlossen wurde. Einen Bestandteil des okkupierten Gebietes stellte auch Prachatice dar. Alle tschechischen Bewohner, die in die Stadt erst nach 1918 kamen, mussten ins tschechische Inland ziehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Lage nun ganz umgekehrt. Ein Teil der tschechischen Bevölkerung kehrte in die Stadt zurück. 1946 sind 1.881 Deutsche (so die offiziell angegebene Zahl) auf Grund der Beneš-Dekrete zumeist nach Bayern ausgesiedelt worden.

Seither nahm die Einwohnerzahl wieder allmählich zu. Einen günstigen Einfluss darauf hatten die Anwesenheit einer Militärgarnison in der Stadt (diese hatte hier ihren Sitz eigentlich seit dem Jahre 1815) sowie die Errichtung der Maschinenbaufabrik ZVVZ (Produktion von Lufttechnik) zu Ende der 60er Jahre, die viele neue Bewohner nach Prachatice lockte. Nach und nach entstanden auch weitere Unternehmen, so dass man in den 80er Jahren des 20. Jh. über Prachatice als über eine Industriestadt sprechen kann.